Hui, welch eine Aufregung! Ist jeder zweite Polizist in Hamburg ein verkappter Rechtsradikaler? Eine neue Studie will dies herausgefunden haben. Wir empfehlen den Betroffenen und natürlich unseren Lesern: NÄCNY mit dem schönen Titel „Halt’s Maul, Fritz!“. Hier mehr erfahren.
Eine interne Befragung der Hamburger Polizei sorgt für Unruhe: Fast jeder zweite Beamte soll laut der Studie eines Forschungsprojektes „rassistische Tendenzen“ an den Tag legen und an Verschwörungstheorien glauben. Die Studienmacher sehen hier ein „alarmierendes Signal“.
Von wegen gefährlich…
Die 116-Seiten-Studie mit dem Titel „Demokratiebezogene Einstellungen und Werthaltungen der Polizei Hamburg“, veröffentlicht am 26. März, will aufzeigen, dass viele Polizisten Aussagen zustimmen, die als problematisch gelten könnten. Als Beispiele werden etwa die Ablehnung von Zuwanderung, Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen oder das Gefühl, dass bestimmte gesellschaftliche Gruppen bevorzugt behandelt werden, genannt. Solche Thesen werden von den Verantwortlichen der Untersuchung kurzerhand als „rassistisch“ oder „verschwörungstheoretisch“ eingeordnet.
Dabei sind die beanstandeten Auffassungen keineswegs kennzeichnend für eine extremistische Minderheit – sie finden sich auch in Umfragen unter der breiten Bevölkerung, allein Politik und Medien verschweigen oder tabuisieren sie. Die Hamburger Morgenpost gruselt sich:
„Fast jeder Vierte (23,8 Prozent) der Befragten gibt an, sich politisch rechts oder rechtsaußen einzuordnen. Klassisch rechte Werte, wie eine negative Einstellung gegenüber Asylsuchenden, spiegeln die Ergebnisse wider. 45 Prozent der Befragten empfinden eine Abwertung gegenüber Asylbewerbern.“
6,8 Prozent der Polizisten werden einem „mehr oder weniger ausgeprägten Verschwörungsglauben“ zugeordnet, weil die in einem Fragebogen der Aussage zugestimmt hätten: Politikerinnen und Politiker seien nur „Marionetten der dahinterstehenden Mächte“.
Der eigentliche Skandal
Vorbehalte gegenüber Migration oder Misstrauen gegenüber Eliten sind wahrlich kein Ausdruck einer radikalen Gesinnung. Polizisten, die täglich mit den realen Folgen von Politik und gesellschaftlichem Wandel konfrontiert sind, könnten hier allerdings ehrlicher oder direkter antworten als andere.
Nicht die Tatsache, dass Polizisten bestimmten Thesen zustimmen, ist der Skandal – sondern die reflexartige Stigmatisierung dieser Ansichten als rechtsradikal. Damit wird eine Diskussion erstickt, die längst überfällig ist: Warum fühlen sich so viele Menschen, auch Polizisten, von der Politik nicht mehr vertreten?
Ein Beitrag des Deutschlandfunks vom Dezember 2019 beleuchtet ein ähnliches Phänomen. Polizeiwissenschaftler Rafael Behr erklärte damals, dass Polizisten oft das Gefühl haben, als „Mülleimer der Gesellschaft“ allein gelassen zu werden. Diese Frustration kann sich in Frust-Aussagen äußern. Doch statt sie als Ausdruck von Extremismus zu deuten, könnte man sie als Spiegel gesellschaftlicher Stimmungen lesen. Polizisten sind keine abgeschottete Elite – sie kommen aus der Mitte der Bevölkerung und bringen deren Sorgen mit in den Dienst.
Was ist „rassistisch“? Die Ablehnung von unkontrollierter Einwanderung? Die Sorge um kulturelle Identität? Solche Fragen beschäftigen nicht nur Polizisten, sondern auch viele Bürger. Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem vergangenen Jahr ergab, dass 42 Prozent der Deutschen der Meinung sind, dass „zu viele Ausländer“ im Land leben. Sind das alles Rechtsradikale? Wohl kaum. Die Gefahr liegt nicht darin, dass Polizisten diese Ansichten teilen, sondern darin, dass ihre Auffassungen kriminalisiert werden sollen.
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